Buddies in Wine

Christoph Neumeister und Franz Weninger zeigen was Stil ist! Und nicht in Mode. Geschmack jenseits von Konventionen, Erwartbarem, Shirts und Basecap.


Müssen wir aufhören weniger zu trinken? Wir müssen Weninger trinken!


Im Oxhoft in Ottensen war Franz Weninger zwar für die Roten zuständig, in Schubladen denkt und handelt er ganz und gar nicht. Dabei verdankt er, bzw. seine Vorfahren, den Roten – den Kommunisten – einiges. Nämlich dass das Burgenland und somit das Familienweingut zu Österreich gehört. Denn die machten einen Aufstand. Aus der Ideologie und Liebe zum Wein. Auf den wollten sie nicht verzichten und schlossen sich somit Österreich an. Geschichte …
Zusammen mit Christoph Neumeister, seinem Freund aus Schultagen, repräsentierte er Österreich vortrefflich im Norden. Und auch wenn die beiden das ein oder andere Mal aus dem Internatsfenster entwischten, hat Franz sich heuer in Geschichte und Weingeschichte ein besonderes Wissen angeeignet. Was ihm auch für die Entwicklung neuer Weine sehr gelegen kommt. Denn wer seine Wurzeln kennt, kann mehr Extrakt erzielen.

Und wer um die ehemaligen Grenzen im Burgenland weiß, kann sich von diesen auch befreien. Oder gleich grenzenlos denken.
So weiß er um die Familientradition, die Kulturgeschichte desnBurgenlandes und der Rebsorten vieles zu erzählen. Und kann daraus immer neu schöpfen, woraus nicht selten spannende Weine werden. Heute macht er in Ödenburg alles andere als öde Weine. Sopron, so der ungarische Name, liegt nicht nur im westlichsten Zipfel von Ungarn, sondern auch am südlichsten Zipfel des Neusiedlersees. Hier heißt der Blaufänkisch Kékfrankos. Er nutzt das Terroir, bleibt aber Kulturverbunden und benennt die Weine in Landesprache.

Auch Kultur schätzt er und bewahrt er.
So hat er seinen jüngsten Wein auch nach der Oma benannt. Rózsa Petsovits ist ein Rosé, der die Roségrenzen sprengt und ihm die Schubade Terrassensommerwein nimmt. In dem Wein steckt ein Europäischer Geist, denn Franz nimmt sich die Freiheit österreichische und ungarische Trauben zu vereinen. Und er gibt dem Wein deutlich mehr Ausdruck und Kraft. Damit kann man sogar dem Brexit trotzen und es in den Londoner Restaurants von Yotam Ottolenghi zum Hauswein schaffen.

Mit Handwerk, Stilistik und Einbindung verschiedener Einflüsse öffnet er Schubladen oder Fässer. Ein wunderbares Beispiel ist eine Fassspielerei vom Pinot Noir, die er hefetrüb auf die Flasche gefüllt hat. Ein mundfüllendes, geschmackserweiterndes Experiment. Köstlich gelungen! Auch dem Hopfen ist er nicht abgeneigt. Und der einen oder anderen Biertechnik bis hin zum Füllen. Vielleicht treibt er ja bald sogar dem Wein den Füllschock aus …

Dass er nicht nur verspielt ist, sondern sein Handwerk beherrscht, beweist ein Blaufränkisch aus dem Jahr 2011 und 2004. Aus der Lage Steiner Bald kommt ein Roter ins Glas, der unglaubliche Frische und Esprit an den Abend legt. Nur die ockerrote Farbe lässt auf einen reiferen Wein schließen.

Man kann sich sicher auf viele alte und neue Weine (auch Weiße wie den Furmint) und weitere Ideen freuen. Und sei es auf ein neues T-Shirt mit dem er ein Statement für das Handwerk gesetzt hat und daraus eine ganze Bewegung schuf. Kurzzeitig war das „Rage against the machine“ Shirt, was als „Ernteshirt“ gedacht war, zum Verkaufsschlager des Weinguts. Aber statt aus Baumwolle Ketten zu stricken, sprengt er lieber welche. Und das schmeckt so ziemlich jedem der open minded ist.


Der Stilist


Christoph Neumeister hat nicht nur den STK Hut auf, der eine lässige Base-Cap ist. Er hat auch den Hut auf in Sachen Stilistik. Christoph Neumeister zeigte am Freitag im Oxhoft in Ottensen was Wein so einzigartig macht. Und zwar mit einer extremen Lässigkeit, Selbstverständlichkeit und großer Sympathie. Es ist die Möglichkeit von Facettenreichtum, Spannung und Überraschung.
Nach dieser Verkostung überrascht es nicht mehr, dass er falstaff Winzer des Jahres ist. Er hat die Tradition des Familienweinguts im Rücken. Und ist so klug mit dem Wissen von Generationen nach vorne zu schauen. Weit nach vorn. Denn Änderungen brauchen Zeit. Wie auch Wein selbst.

Aus dem Anspruch und Streben nach Ausdruck, Spannung und Qualität hat er mit Weitsicht Anfang der Nullerjahre die Diskussion um Hefearten für sich sterben lassen und sich mit Leidenschaft der Spontanvergärung gewidmet. Was ebenfalls Zeit brauchte. Und im Klima der Südsteiermark eine besondere Herausforderung darstellte. Aber heute ist wie alles bei ihm: gelernt und gekonnt.

Er macht sogar Grauburgunder sexy, kitzelt das Beste aus der Natur heraus. Unterstreicht und betont die Nuancen, die der Wein im Jahr beim Heranwachsen entwickelt hat. Mit individuellen Handgriffen wird jeder Jahrgang individuell. Wein ist Physik, keine Chemie sagt er. Und damit ist klar, wie dieses Handwerk aussieht. Es geht rein um natürliche Begleitung. Ob und wie lange ein Wein in welchem Gebinde liegt – ob Edelstahl oder Holzfass.

So entstehen Weine, die Nase und Gaumen mit jedem Schluck kitzeln und überraschen. Riecht einer seiner Weine fruchtig, wird diese Note am Gaumen von Würzigkeit ergänzt. Oder umgekehrt. Wobei die Steiermark zwar fruchtbaren Vulkanboden hat, aber keine Fruchtoasenweine hervorbringt, auch wenn dort auch köstliche Feigen wachsen.

Es sind Weine mit denen man sich schluckweise beschäftigen kann und will, ohne Muss. Sie machen einfach Trinkfreude.

Der Trinkfluss des Abends: Gemischter Satz 2017, Gelber Muskateller 2017, Sauvignon blanc STK 2017 und Moarfeitl 2016, Grauburgunder Straden 2018 und Saziani 2015, Weißburgunder Klausen 2017 und Roter Traminer Steintal 2017.

Auch die Duftrebsorten Muskateller, Sauvignon und Traminer bekommen von Christoph Neumeister neben Frische und Feinheit eine spannende Dimension hinzu addiert. Wer vermeintlich Bekanntes neu erleben möchte, sollte Neumeister trinken.

Und auch die „Twenty-Year-Challenge“ haben die Neumeisters bravourös gemeistert. Der schlechteste Jahrgang in der jüngeren Geschichte der Familie (1996) hat sich über die Jahre gut gemacht und gut gehalten.

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