Wie ist die Lage?

Tradition hat auch in Zeiten von Covid-19 seinen Platz: Schloss Grafenegg im österreichischen Kamptal. Und auch einen influenzapassenden Namen: #ErsteLagen20. 207 Weine von 68 Weingütern und 89 ersten Lagen erblickten erstmals das Glas der Weinwelt. Österreichs #Traditionsweingüter präsentieren alljährlich zum ersten September die frisch gefüllten „Großen Gewächse“, die entlang der Donau wachsen – aus dem Kremstal, Kamptal, Traisental, Wagram bis hin nach Wien und noch etwas flussaufwärts ins Carnuntum.

Kein Impfstoff in Sicht. Aber auch keine Chemie mehr!
Im Coronajahr zeigen sich die österreichischen Traditionsweingüter sehr offen. 4 neue Mitglieder gibt es zu begrüßen. Der Wagram wächst um drei Weingüter (Ehmoser, Fritz und Diwald) und auch das Traisental erfährt etwas mehr Gewicht, hier stößt das Weingut Tom Dockner hinzu.
Wichtiger und weitaus erfreulicher ist ihr Beschluss den Einsatz von Chemikalien im Weinberg abzuschaffen. Ein Schritt zum biologischen Anbau, der einen sehr deutlich schmeckbaren Unterschied macht, wie die Verkostung zeigte. Denn alle Weine von Weingütern, die mit biologischem oder biodynamischem Anbau arbeiten präsentierten sich harmonischer und ausbalancierter, haben weniger Alkohol und lassen dem Thema Lage und Terroir eher den Vortritt.


Nach dem Extremjahr 2018 verlief 2019 für alle Winzer wunschgemäß: ein unproblematischer Austrieb, Regen, ein sonniger, warmer Sommer, der in einen trockenen, langsam kühler werdenden Bilderbuchherbst überging und so eine stressfreie Lese bester Traubenqualität ermöglichte. So sind die Weine mit dem jetzigen Erscheinen bereits sehr ausgewogen.


Tag 1 stand im Zeichen des Rieslings. 76 an der Zahl. Und da hat Österreich mit dem Jahrgang 2019 überraschend gut abgeliefert. Die Lage Heiligenstein aus dem Kamptal hat mit begeisternden Ergebnissen nicht nur die Nase weit vorn im Glas. Hiedler, Eichinger, Bründlmayer, Hirsch, Jurtschitsch und Loimer holen da beste aus dem heiligen Sandstein heraus.

Die letzten drei arbeiten längst zertifiziert biodynamisch. Am Kogelberg sind die Rieslinge von Hiedler und Steininger erwähnenswert. Weitere Highlights aus der Verkostung: Ried Seeberg von Fred Loimer, Ried Steinmassl von Bründlmayer, Ried Gaisberg von Hiedler.

Im Kremstal bewirtschaften die Weingüter Thiery-Weber und Hermann Moser die Ried Gebling hervorragend. Sehr schöne Rieslinge kommen auch aus der Ried Silberbichl vom Stift Göttweig und der Ried Grillenparz vom Weingut Stadt Krems, beide verantwortet der diesjährige falstaff Winzer des Jahres: Fritz Miesbauer.

Das Weingut Malat macht auf der Ried Steinbühel einen vielschichtigen Riesling, wachsam sollte man auch beim Weingut Türk und der Ried Wachtberg sein. Das Traisental liefert etwas zartere Riesling ab, Markus Huber holt Feines aus Ried Rothenbart, Neumitglied Tom Dockner macht aus Ried Pletzengraben einen saftigen Riesling mit zarter Frucht. Im Wagram überzeugt die Ried Goldberg vom Weingut Diwald. Die fruchtigsten Vertreter sind Ried Gaisberg vom Schloss Gobelsburg sowie aus der Ried Heiligenstein vom Weingut Ehn, Topf und Leindl.

Sweet auch Ried Kögl und Ried Kirchensteig vom Geyerhof und Weingut Wess. Wien spielt eher beim Veltliner und natürlich dem Wiener Gemischten Satz groß auf.


Tag 2 – Kaiserwetter, passend zur Paraderebsorte, dem Veltliner. Dem Grünen Veltliner muss man dazu sagen, schließlich wächst auch die Beliebtheit des Roten, besonders im nicht weit vom Schloss Grafenegg entfernt gelegenen Wagram.

Mit 81 Weinen hat der Grüne Veltliner bei den österreichischen Traditionsweingütern noch die Mehrheit, dicht gefolgt vom Riesling.
Also ran an die Flights – die Temperaturen sind bei allen Beteiligten
perfekt – in der Hoffnung auf viele Höhenflüge!

Der Jahrgang ist relativ hochprozentig, was aber bei den meisten Weinen durch Frische und mehr Frucht als Pfefferl aufgelockert wird.
Die biodynamisch arbeitenden Winzer liegen mit ihren Weinen meist 1 Vol. % unter dem Durchschnittsalkoholgehalt und sind auch im Gesamteindruck feingliedriger.
Ab ins Feld, bzw. die Lagen: Im Traisental gelingt Markus Huber mit der Ried Alte Setzen ein sehr feiner Veltliner.

In Wien machen die Lagen Preussen für Wieninger und Gollin für Fuhrgrassl-Huber den Nussberg zum Veltlinerberg.

Ried Spiegel und Rosenberg von Ott sind im Wagram die Winner.

Im Kamptal ist die Lage Dechant sehr interessant. Alwin Jurtschitsch gelingt ein vielschichtiger Veltliner, den man sich als Begleitung für einen Abend nur wünschen kann. Ein sehr spannender, fast schon alwingardistischer Veltliner kommt aus der Riede Schenkenbichl.

Das Weingut Hirsch erriecht man in jedem Flight, ihnen gelingen spannende Veltliner, besonders in den Rieden Gaisberg, Grub und Renner.

Aus letzterer präsentieren sich unabhängig vom Weingut (Allram, Hirsch, Schloss Gobelsburg) saftige Veltliner.

Auch im Kremstal wachsen begeisternde Veltliner. Der 2019er Ried Gebling von Thiery-Weber hat es toiflisch in sich. Von Malat ist die Ried Gottschelle sind anbetungswürdig. Der Mantlerhof bezirzt mit der honigsüßen Ried Moosburgerin. Das Weingut Stadt Krems macht auf dem Wachtberg einen Veltliner für die Watchlist.

Weniger Pfeffer, dafür um so mehr Frucht hat der Ried Lamm von Brandl. Wer es mit Wumms mag, dem sei Ried Spiegel von Bründlmayer empfohlen. Aus dem heißen Jahrgang 2018 präsentiert sich Otts Ried Stein als frischester und filigranster „Altjahrgang.“


Ein Lagenterroir unabhängig von jeder Winzer- oder Weingutstilistik gelingt beim Käferberg. Loimer, Jurtschisch und Bründlmayer bringen von der Nase bis zur Saftigkeit Grüne Veltliner in die Flasche, die erkennbaren Lagencharakter aufweisen.


Finale mit Blaufränkisch, Buchbinder und Beethoven
Neben dem Grünen und Roten Veltliner gedeihen in Österreich noch weitere autochtone Rebsorten, die Trinkfreude bereiten. Dazu zählen der Zweigelt und natürlich der Blaufränkisch. Eine großartige Tradition ist der Wiener Gemischten Satz, der in einem „Diversity“-Weingarten wächst, der lange Tradition hat und einst Lebensversicherung für Winzer war. Vor der Klimaerwärmung … Denn nicht immer wurde jede Rebsorte reif.
Das Ernten unterschiedlicher Sorten in einem Weingarten ergab nicht nur geschmacklich einen vielseitigen Querschnitt, auch in der Reife ließen sich so Ungleichmäßigkeiten liquidieren. Heutzutage ist die Reife kein Problem mehr, die Vielschichtigkeit dafür umso geschmackvoller.


Doch auch Weißburgunder gehört zu Wien. Und der ist aus dem Jahrgang 2019 nicht zu verachten! Am Maurerberg, Bisamberg und Nussberg kommen vom Weingut Christ, Hajszan-Neumann und Edlmoser drei unterschiedliche, aber sehr ausgewogenen Weine.

Die spannendsten Gemischten Sätze kommen aus der Ried Wiesthalen (Weingut Christ), der Ried Preussen (Rotes Haus), Ried Gollin (Fuhrgrassl-Huber), der Ried Rosengartel und der Ried Ulm (Weingut Wieninger).

Vom neuen Traditionsweingut Fritz ist der Rote Veltliner aus der Ried Mordthal sehr lebendig.

Im klassischen roten Bereich ist der Zweigelt aus der Ried Aubühl von Gottschuly-Grassl. Ried Bärnreiser wird sehr fein von Philipp Grassl und Familie Netzl beackert. Excalibur liegt auf Ried Haidacker, das Zweigelt-Geheimnis kennt das Weingut Taferner. Lukas Markowitsch ist diesem auf derselben Ried dicht auf den Fersen. Ried Rosenberg ist für Gerhard Markowitsch und Martin Netzl ein Schatz.


Ganz im Nordosten des Traditionsweingüterterritoriums liegt der Spitzerberg. Hier wächst Blaufränkisch. Einige Winzer entlocken ihm Holunderblütenduft (Glock und Trapl). Das Weingut Pelzmann entlockt ihm eine kräuterige Note mit saftig-würzigen Abgang und ordentlich Grip. Weingut Muhr spielt sanfter auf der Blaufränkisch-Klaviatur. Der 2018er ist beerig, saftig und frisch, das Tannin moderato.

Der letzte Satz war dann kein Gemischter. Die Wiener Philharmoniker gaben im Wolkenturm ein Open Air Konzert. Passend zum Trinkfluss der letzten Tage Dudamel los, um seine Spielfreude auf Buchbinder und Beethoven zu übertragen.

Den Österreichischen Traditionsweingütern gelang 2020, im Covid-19 Jahr, erneut ein Wein-Fest für die Ersten Lagen 19.
Standing ovations auch für Wine+Partners!

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