Erste Lagen – legendäre Veltliner

Wenn der Spätsommer sich von seiner schönsten Seite zeigt, kommen sie ans Licht, Österreichs Erste Lagen. Mit Stolz und zurecht, wie schon die ersten Flights zeigen, schenken die Winzerinnen und Winzer bei der Jahrgangspremiere persönlich ein, bevor es für alle in die Weinberge geht, um die neue Ernte einzuholen.

Der Dezember ist die Zeit zu reflektieren, zurückzublicken. An großartige Momente zu denken. An Momente mit großartigen Menschen. Und Weinen. Oder an beides. An großartige Weine von großartigen Menschen. Diese finden sich alljährlich in Grafenegg ein. Keine Volkszählung, eine Weinsammlung. Die Österreichischen Traditionsweingüter präsentieren dort ihre 89 Ersten Lagen. Vom Traisental über das Kremstal, hin zum Kamptal, dem Wagram nach Wien bis ins Carnuntum. Außerdem haben sich auch in diesem Jahr wieder die Winzerinnen und Winzer aus dem Burgenland vom Neusiedlersee an die Donau aufgemacht, um zwei Gebiete vorzustellen, die auf jede Weinkarte gehören: der Leithaberg und der Eisenberg. Premiere – und hoffentlich nicht zum letzten Mal – sind auch weit aus dem Osten des Landes die glorreichen 12 der STK Gruppe angereist. Die Steirer haben Fachpresse und -publikum große Trinkfreude eingeschenkt.


Zum Auftakt luden am Vorabend des ersten Tags die Wiener Weingüter sowie die Winzerinnen und Winzer aus dem Carnuntum in die Metropole zu einer kleinen Gebiets- und Jahrgangsverkostung. Trinkfluss traf auf Trinkreife. Tradition auf Trend. Wetterbedingt gab’s statt im Weinberg-Heurigen ein Hallo am Donaukanal. Der Taste Food Market begleitete das Weintasting mit modern interpretierten Schmankerln. Das Carnuntum zeigte an diesem Abend, dass es nicht nur Rotwein kann. Neben frischen Jungweinen und phänomenal gereiftem Blaufränkisch (Spitzerberg 2010 von Dorli Muhr) gaben auch ein paar Naturals dem Abend einen guten Flow.


Kultur gegen Corona
Schloss Grafenegg, erbaut vom 15. Jahrhundert bis 1888 (den letzten Schliff verlieh der Baumeister des Stephansdoms in Wien), könnte glatt Modell gestanden haben für Harry Potters Hogwarts-Zauberschule. Nur das hier Anfang September bezaubernde Weine auf dem Lehrplan stehen: vornehmlich Grüner Veltliner, Roter Veltliner, Riesling, Wiener Gemischter Satz, Zweigelt und Blaufränkisch.
Gleichzeitig spielt aber auch die Musik in Grafenegg eine große Rolle. Der Openair-Konzertsaal namens Wolkenturm zieht auch Pilstrinker raus aus Ottakring, um den Philharmonikern und anderen Musikgrößen zu lauschen.
Das einzigartige Areal erzeugt in diesen Tagen eine stimmungsvolle Atmosphäre. Es ist ein sehr herzliches Wiedersehen mit Weinenthusiasten aus ganz Europa. Winelovers get winefriends. Dank der perfekten Organisation der Österreichischen Traditionsweingüter und Wine + Partners blieb Corona draußen vor den Toren. Eine Unbeschwertheit entstand, die nicht allein der Weinseligkeit zuzuschreiben war.


Im Fokus des Austrian Single Vineyard Summit stand der Jahrgang 2020. Der Beginn einer neuen Dekade, die klimatisch eine Herausforderung werden wird. Da Österreich aber das Weinland mit dem höchsten Anteil an Bioweinbau ist, sehen es die Winzer, die so arbeiten, recht entspannt. Die 67 Mitglieder der Österreichischen Traditionsweingüter eint der nachhaltige Weinbau. Im Weinberg werden keine Herbizide und Insektizide eingesetzt und auch die Handlese ist verpflichtend. Mit gesundem Boden und gesundem Menschenverstand versuchen Sie die Wein-Welt Stück für Stück besser zu machen.

Erster Tag. Erste Lage. Erstklassige Veltliner.
Einen nicht überladenen Auftakt in die Ersten Lagen bietet das Traisental. Es ist das jüngste und auch eines der kleinsten Anbaugebiete. Und das klimatisch coolste. Herr der Lagen sind hier Tom Dockner (neu dabei), Markus Huber und die Herren Neumayer. Man sollte die Gelegenheit beim Hochschopfe packen und nicht auf den Bart des Propheten warten, sondern den Rothenbart kosten, sollte sich die Möglichkeit bieten, denn auch Alte Setzen können neue Weinperspektiven eröffnen – allesamt Veltliner, die Vitalität ins Glas bringen.

Einen Traubenwurf weiter liegt das Kremstal. 2020 sind mir persönlich – blind verkostet – zehn Weine sehr positiv aufgefallen. Unvoreingenommen zu verkosten lässt sich bei den über 200 Weinen sehr gut arrangieren. Beim Silent Tasting bekommt kann man seine Flights zwar selbst wählen, es aber so einrichten, dass man die Weingüter ersteinmal nicht beachtet. Sortiert nach Lagen muss man nur beim Einschenken wegschauen, um sich dann rein dem Wein zu widmen.

Proidls Ehrenfels Veltliner ist ein Muss. Nicht nur wenn man selbst schon am Ort war … Da es um Lagen geht, liegt beim Verkosten natürlich auch immer ein Augenmerk darauf, wie das Terroir zum Ausdruck kommt. Einige Lagen liegen in einzelner Hand, andere in vielen Winzer*innen-Händen. Rieg Kögl beispielsweise in der Hand von Christina und Vater Rainer Wess. Die Ried Pellingen wird von Proidl und Nigl hervorragend vinifiziert. Auch die Ried Gottschelle ist anbetungswürdig. Und wird vom Weingut Malat, Petra Unger und dem Stift Göttweig großartig bewirtschaftet. Der Mantlerhof, der seit 20 Jahren bio arbeitet, bringt mit Ried Spiegel und Ried Moosburgerin zwei wunderbare Grüne Veltliner auf die Flasche. Bio-Pionier ist der Geyerhof. In den 1980iger Jahren hat Ilse Maier mit der biologischen Bewirtschaftung begonnen. Sohn Josef und Schwiegertochter Maria haben dies zu einer bewussten Kreislaufwirtschaft ausgeweitet. Ihr Veltliner aus der Ried Steinleithn ist ein Beleg dafür, welche Lebendigkeit ein Wein erlangen kann.

Im Wagram gehen die ersten Plätze beim Grünen Veltliner mit den Rieden Spiegel und Rosenberg an Bernhard Ott. Und auch der Kamptaler Stein hat eine unverkennbare Saftigkeit.

Das Kamptal ist mit erstklassigen Lagen gesegnet. Über Jahrzehnte hinweg entstehen hier schon großartige Weine von großartigen Winzern. Unbedingt probieren sollte man den Käferberg von Fred Loimer und Alwin und Stefanie Jurtschitsch. Bei beiden kann man mit der Bestellung gleich weiter machen und die Ried Dechant sowie den Schenkenbichl in den Warenkorb legen. Außerdem den Loiserberg. Der Sechserkarton lässt sich dann mit ein paar Naturalweinen easy aufstocken.

Im Kamptal ist immer auch auf Hirsch und Hiedler zu zählen. Die Hiedlers überzeugen mit ihrem Schenkenbichl und dem Kittmannsberg, bei Hirsch ist es Ried Grub. Diese Riede ist auch von Schloss Gobelsburg hervorragend. Beide machen ebenfalls aus der Ried Lamm erstklassige Veltliner. In diesem Jahr ist das Weingut Steininger in den Fokus gerückt, ebenfalls mit der Ried Lamm und den Kogelsberg Terassen. Im Abgang ist, wie im letzten Jahr, die Ried Renner ein Garant für große Grüne Veltliner – besonders von Schloss Gobelsburg, Johannes Hirsch und den Allrams.


Der erste offizielle Abend steht traditionell unter dem Motto „10 years after“. 2011 war ein schwieriges Jahr, mit dem nicht jedes Weingut zu 100% zufrieden ist. Beim Kosten zeigt sich, wie hoch der Qualitätsanspruch in Österreich ist, denn was da 10 Jahre gealtert im Glas geschwenkt wird ist zu 90% eine große Freude.
Ein Tag mit über 80 Veltlinern neigt sich dem Ende, die Punktevergabe ist abgeschlossen, die Prüfnummernvergabe muss allerdings an mancher Stelle dringend nachgebessert werden. Da ist Luft und Liebe nach oben!

Fortsetzung folgt …

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