Es muss nicht immer German Riesling sein

Der Frühling ist da, die Natur öffnet sich, und die Lust eine Flasche Riesling zu öffnen steigt mit jedem Grad. Zeit also, etwas Großes zu öffnen. Eine Erste Lage!

Ich gebe es zu, lange Zeit hatte ich ein eher geringes Interesse am österreichischen Riesling. Doch schon im vergangenen Jahr waren die Ersten Lagen der Österreichischen Traditionsweingüter ein Augenöffner. Und auch bei den neuen Jahrgängen blieben Augen und Mund weit offen. Es wandelt sich eben nicht nur in der Natur, sondern auch im Glas. Und es sind lägst nicht nur die besten Lagen wie der Heiligenstein, die den Riesling beachtens- und trinkenswert machen.


Auch in der Basis gibt es verdammt gute Rieslinge, an Orten wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, vorher aber noch ein bisschen abtanzen. Aus dieser Abgeschiedenheit und Lebendigkeit resultiert auch der gleichnamige Gebietswein Fuchsentanz von Martin Diwald, einem neuen Mitglied der Österreichischen Traditionsweingüter. Dabei ist die Familie, die seit 1976 Bio-Weinbau betriebt und damit zu den Pionieren zählt eigentlich ein alter Hase. Der Fuchsentanz ist leichtfüßig, zitrusfrisch, marillensaftig. Seine Erste Lage Eisenhut gibt im Wagram ebenso mit den Ton an.
Was für viele Weinliebhaber*innen ein Bonus sein kann ist eine sanftere Säurestruktur bei österreichischen Rieslingen. An Finesse und Spannung fehlt es den Weinen dadurch nicht. Gerade wenn sie biodynamisch angebaut und ausgebaut werden. Tauchen wir also ein in die erstklassigen und erstlagigen Rieslinge rund um die Donau.

Die Aussichten für den zweiten Tag des Single Vineyard Summit 2021 ist heiter bis goldig. Der Heiligenstein will Schritt für Schritt, entsprechend seiner Terrassen, erklommen werden. 13 Weingüter teilen sich die knapp 35 ha auf – denn Heiligenstein ist Riesling-Terroir. Aber auch andernorts entstehen wunderbare Rieslinge. Das Terroir bietet für die Rebsorte, die den Boden so gut widerspiegeln kann, vielfältige Ausdrucksmöglichkeiten. Das Klima und die achtsame Arbeit der Winzerinnen und Winzer ermöglicht dem Riesling einen strahlenden Schliff in seiner Entfaltung. 


Beginnen wir die Riesling-Reise von Ost nach West, beginnend in Wien. Wo anders als am Nussberg. Hier ist der Rosengartl und die Ried Preussen – vom Weingut Mayer sowie Fritz Wieninger – ein Garant für Genuss. Aber auch Grinzing ist heuer ein feines Plätzchen. Nicht nur im Heurigen, auch im Glas. Vom Weingut Edelmoser ist am südlichen Wienerwald die Lage Setzen mit Muschelkalk am Maurerberg gesetzt und bringt einen duftig-frischen Wein ins Glas, wie eine frische Operette. Hajszan Neumann stimmt mit der Ried Steinberg hingegen moderne Lyrics und eine spannende Textur an.

Im Kamptal ist die Lage Gaisberg von Schloss Gobelsburg, Weingut Hirsch und Allram herausragend. Hirsch und Allram sind es auch, die am Heiligenstein den Ton angeben, ebenso wie das Weingut Leindl (Heu, Marille, Cremigkeit), Weszeli (Mandel, Grip, wunderbarer Abgang) und Fred Loimer (würzig, packend, mit guter Länge). Bei Fred Loimer ist es gleich ein Riesling-Trio, dass outstanding ist. Neben dem Heiligenstein sind es auch die Lagen Loiserberg (filigran, saftig, lebendig) und Seeberg (absolut balanciert, feiner Gerbstoff, wunderbar duftend). Die Ried Steinhaus von Hiedler und Steininger ist bei den 2020ern ebenfalls großartig gediehen.

Im Traisental stechen bei den Rieslingen die Ried Berg vom Weingut Markus Huber mit einer bezaubernden Nase hervor und die Ried Pletzengraben von Tom Dockner, auch ein neueres Mitglied bei den ÖTWs, der mit seinem Ortswein-Riesling Inszersdorf auch zum Salonsieger 2021 gekürt wurde.

Im Kremstal werden die weltlichen Genüsse geistlich geprägt. Es sind es die Lagen Pfaffenberg und Kirchensteig, die vor Lebensfreude leuchten. Ried Kirchensteig (Wildkruter, Würze, Gerbstoff) vom Geyerhof ist dabei die kleinste Erste Lage. Die Lage Pfaffenberg ist sowohl vom Stift Göttweig (lieblich, frisch und zart), als auch vom Weingut Wess (saftig, mit feiner Fruchtsüße) seligmachender Stoff. Eine Bank ist immer die Ried Hochäcker von Proidl (floral, saftig, fruchtig), aber auch die Ried Pfeningberg (saftig und zartfruchtig) ist erstklassig. Weingut Salomon und Wess haben aus der Ried Kögl wunderbare Riesling geschaffen, dem Mantlerhof ist es mit der Ried Steingraben gelungen. Wahrhaft goldig ist auch die Ried Silberbichl vom Stift Göttweig.


Die Erstverkostung liegt nun ein halbes Jahr zurück, die Flaschen dürften jetzt noch weiter in sich ruhen und freudig stimmen, sollte man eine davon in den Händen halten. Die Freude bricht auch beim Ausblick und den ersten Reaktionen auf den Jahrgang 2021 nicht ab. Der Riesling von der Donau bleibt im Trinkfluss!

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