Celebrate Carnuntum. Celebrate Zweigelt.

Womit stößt man im Carnuntum an, wenn es etwas zu feiern gibt? Mit dem Jubilanten höchst selbst, dem Zweigelt. Denn der feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag. Zur Feier des Tages lassen wir alles Politische weg, denn eine Rebsorte hat von Natur aus keine Ideologie, bzw. jeder Klon ist eine Selektion. Also pssst. Cheers, Zweigelt! Und auf Carnuntum, dass aus dem Zweigelt einen Charakterwein macht, der Mon Cherie vergessen lässt, einen Weltbürger schafft, der es mit großen Roten aufnehmen kann. Das zeigte die erste Masterclass einer ganzen Reihe, die Carnuntum in diesem Jahr begeht. Denn es gibt ein weiteres Jubiläum. Die Weinbauregion Carnuntum feiert mit ihrem Rubin Carnuntum 30-jähriges Bestehen. Den Festakt zur Carnuntum Academy, die Wine and Partners mit den Carnuntum Winzer*innen in diesem Jahr veranstaltet, eröffnete Marc Almert, ASI Best Sommelier of the world 2019.

Wo, wie, was, warum?
Noch nie von Carnuntum gehört? Es hat nichts mit Carneval zu tun, auch wenn es gerade feiert. Ebenso wenig mit Carne, also Fleisch, wobei die Rotweine sicher keinen Beef mit Fleischgerichten haben, im Gegenteil. Den Namen haben die Römer geprägt, denn die sind ja schließlich die frühen Weinfeinschmecker gewesen. Den Namen haben sie entweder wenig kreativ aus der steinigen Bauweise für ihr Legionslager abgeleitet oder aber sich nach den Kelten gerichtet und die Region nach deren Gott Kernunnus benannt. Er verantwortete die Ressorts Natur, Tiere und Fruchtbarkeit. Passend.

Carnuntum liegt südwestlich von Wien und grenzt im Norden an die Donau. Mit gerade einmal 906 ha ist es das zweitkleinste Weinbaugebiet in Niederösterreich. Es liegt am weitesten von den Alpen entfernt und hat die größte Nähe zu den Karpaten. Weltweit gibt es übrigens 4,5 Mio. ha Weinbaufläche, wenn wir schon so faktisch dabei sind. Österreich kann stolze 46.515 ha vorweisen. Niederösterreich 28.145. Carnuntum ist also ein exklusives und exquisites Gebiet.


Einer von uns
Der Zweigelt ist neben dem Blaufränkisch und dem St. Laurent eine autochtone, also aus Österreich stammende Rotweinrebsorte. Gezüchtet wurde der Zweigelt aus genau den anderen beiden. Im Jahr 1922. Von Friedrich Zweigelt, der nicht nur dem Roten zugetan war, sondern auch den Braunen. Daher wird der Zweigelt auch als Rotburger bezeichnet, um den Fokus auf dem Rotwein zu belassen. Er wird in Carnuntum auf 235 ha der 906 ha bepflanzt. 120 ha werden reinsortig ausgebaut. Von seinen Eltern, dem Blaufränkisch und dem Sankt Laurent hat er eine Dünnhäutigkeit mit auf den Weg bekommen und ein gutes Auskommen mit feuchter Witterung. In Carnuntum umgibt er sich mit lehmigen, tonhaltigen Böden und lässt sich gern ein Lüftchen um die Beeren wehen, was seinen dünnen Schalen nicht schadet. Unter diesen „well being“ Umständen zeigt er seine charakterlichen Stärken, zu denen eine Kompaktheit am Gaumen zählt, entwickelt eine komplexe, aber eher kühle Aromatik und eine kernige Struktur. Wobei er durchaus charmant und elegant daherkommen kann. Er kann also Heurigen wie auch Opernball.


Du bist ja ne Marke!
In Carnuntum haben sich vor 30 Jahren ein paar Winzer, heute auch Winzerinnen, zusammen getan, um ihrer Region und dem Zweigelt ein klares Gesicht zu geben, was unverwechselbar Carnuntum ausstrahlt. Mit deutlichem Qualitätsanspruch versteht sich. Geboren war der Rubin Carnuntum. 1992 gegründet wurde er 2019 zum typischen Gebietswein und mit dem DAC Status versehen, dem Districtus Austriae Controllatus. Die Römer wirken bis heute nach.

Die Beliebtheit zeigt sich auch in Zahlen, jede sechste Flasche aus Carnuntum ist ein Rubin! Ein typischer Gebietswein aus Carnuntum muss zu 2/3 aus Zweigelt und oder Blaufränkisch bestehen. Es gibt 6 kleinklimatische Appellationen, die die Kategorie Ortswein befüllen. 20 „Rubin Weingüter“ zählen auch zu den Österreichischen Traditionsweingütern und bewirtschaften 9 Erste Lagen von insgesamt 90.

Man kann also schon herauslesen, und auch schmecken, was auch die Masterclass bestätigte: Herkunft geht über Sorte. Das Ziel der vereinigten Winzer*innen: dichte, reichhaltige Weine zu schaffen, mit Körper, dabei fein zu sein, statt mächtig. Immer steckt ein Hauch Frische in den Weinen, sie zeigen sich komplex und haben Lagerpotenzial.

Ergänzung meinerseits: die Weine stehen auch nach dem Öffnen extrem gut da, auch nach 14 Tagen haben die verkosteten Weine nicht an Ausdruck eingebüßt, im Gegenteil, sie sind sogar entspannt zugänglich geworden, was den jungen Jahrgängen extrem gut steht.


Klimatisch ist der Einfluss klar kontinental. Carnuntum liegt um den 48. Breitengrad und damit auf Augenhöhe mit der Champagne. Gut 300 Tage im Jahr weht ein Lüftchen. Und wir erinnern uns, Wind mag er, der Zweigelt. Im Jahresmittel fällt tendenziell mehr Regen im Sommer als im Herbst. Und ein trockener Herbst mit bereits kühlen Nächten ist im Weinbau Gold wert.

Ökologisch sind die Winzer in Carnuntum, wie ganz Österreich, sehr bedacht. 2021 haben 14% biologisch oder biodynamische Weinbau betrieben. Der Durchschnitt im Land liegt bei 16%. In diesem Jahr werden sogar fast 50% der Weingüter biologisch zertifiziert sein. Weitere 15% sind von der Initiative „Nachhaltig Österreich“ zertifiziert. Generell gilt: kein Einsatz von Insektiziden. Auch im Keller begleiten die Winzerinnen und Winzer ihre Weine eher, als sie zu behandeln.

Neben der Marke Rubin Carnuntum wird intensiv an den Einzellagen gearbeitet, um deren Renomée noch stärker bekannt zu machen. Seit 2004 wird zudem eine Appellation gepflegt, die zu einem echten Highlight geworden ist: der Spitzerberg. Das Ziel Finesse und Eleganz mit Carnuntum Weinen zu repräsentieren, gelingt Jahr für Jahr erfolgreicher. Und alte Jahrgänge zeigen, welches Potenzial die Lage hat.


Zunächst aber zu den Jungen. Bei ersten Masterclass der Carnuntum Academy mit Marc Almert gab es 2020er Rubin Carnuntum von Martin Netzl und Robert Payr. Netzl mit einer animierenden Aromatik, klassische Frucht-Nase, kernig, saftig, frisch, mit kickendem Tannin und Würze. Payrs Rubin kommt weniger fruchtig daher, ist knackiger und intensiver sowohl von der Säure, als auch der Frische, wie auch den Gerbstoffen.

Der nächste Flight: Ortsweine. Alte Reben von Lukas Markowitsch, Edles Tal von Franz und Christine Netzl und Bienenfresser von Pitnauer. Marko 2020 zieht mit grasig grünen Noten in die Nase, gefolgt von Ribisl, am Gaumen ordentlich Grip, Würze und Wärme. Das Edle Tal 2019 begeistert direkt mit edel duftender, fruchtiger Nase, zieht mit Würze und Tabakaromen an und bleibt dabei stets saftig. Der Bienenfresser ist insgesamt sanfter, mit 2018 aber auch schon geerdeter. Die Nase animierend mit wärmerem Duft, dazu eine leichte Süße, sehr gelungen.

Die Riedenweine stellten Philipp Grassl mit der Ried Neuberg, Gerhard Pimpel mit der Ried Bärnreiser und Artner mit der Ried Steinäcker. Neuberg 2019 präsentiert sich auch schon sanfter. Frucht, Würze, sehr dicht. Bärnreiser 2019 zeigt sich ebenfalls fruchtig, saftig, mit reiferer Frucht und leicht bitterem Abgang – was durchaus positiv wirkt. Steinäcker 18 steigt warm auf und kommt sehr saftig rüber, mit weichem Tannin.


Im vergangenen Herbst zeigte Carnuntum zur Ersten Lagen Präsentation auch welch Potential in ihren Weinen steckt. Und das auch der Blaufränkisch hier auf guten Boden stößt. Highlight des Abends, ohne Zweifel, die Lage Spitzerberg aus dem Jahrgang 2010 von Dorli Muhr. Aber auch der 2016er vom Weingut Pelzmann offenbarte schon seinen Reiz.

Bei den frisch gefüllten Weinen aus 2019 braucht es noch Zeit, bis die Gerbstoffe ihre entspannte Gelassenheit an den Tag legen und so harmonisch im Glas strahlen, wie es der Blaufränkisch zur Eröffnung des Single Vineyard Summits tat. Die Weingüter Günther Glock, Muhr und Trappl sind mit ihrem Spitzerberg Junior aus Prellenkirchen vielversprechende Kandidaten, die Spitze der Lagenklassifikation, die Grand Cru, zu erklimmen. Eine weitere Lage, die mit dem Jahrgang 2019 begeisterte war die Ried Kirchweingarten in Höflein – von Dorli Muhr und Gerhard Markowitsch. Und auch Philipp Grassl bewirtschaftet eine Erste Lage, die Erstklassigkeit verspricht – die Ried Schüttenberg in Göttlesbrunn.


Es lohnt sich, die Weine aus Carnuntum zu entdecken. Im übrigen finden sich auch spannende Weißweine, wie auch der ein oder andere Natural Wine. Damit lässt sich nicht nur 100 Jahre Zweigelt oder 30 Jahre Rubin Carnuntum feiern, sondern die Vielfalt allgemein.

Das wird auch die Wine and Partner Academy zeigen, die bereits Ende Mai lässig weiter geht. Auf dem Programm stehen die Themen „Coole Rotweine für heiße Sommertage“, „Out of the box“, „Zeig mir wo du wächst“, „Carnuntums Visitenkarte“ und „2020 – ein großartiges Jahr“. Speaker sind „Asktoni“, Louisa Schmidt, Caro Maurer, die erste Deutsche Master of Wine, sowie Paula Sidore, Herausgeberin von TRINK und Member von Jancis Robinson und Stuart Pigott.

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