Die Rosinen-Ausbrecher

Die Geschichte einer Familie, die sich nicht klonen lässt, wohl aber dreiteilen: Die Triebaumers aus dem österreichischen Burgenland.

Aller guten Blaufränkisch sind Triebaumer
Sie sind alles andere als Außerirdische, sie sind Einheimische – Ruster Urgestein. Und dennoch machen sie außergewöhnliche Weine. Und kulinarische Schmankerl. Vor 35 Jahren – mit dem Jahrgang 1986 – legte Ernst Triebaumer mit den Grundstock für eine andauernde Blaufränkisch-Erfolgsgeschichte.
Heute sind es drei Familien und Weingüter, die rund um Rust Landwirtschaft mit Leidenschaft betreiben. Herbert und Gerhard sind die direkten Nachkommen des Weinguts. Richard, der sich auch saugut um Mangaliza Schweine kümmert sowie Günter, der Sohn des Bruders von Ernst Triebaumer. Wer die Familie und die Ruster-Eigenheiten kennenlernen will, muss sie studieren. Statt eines Trimesters empfiehlt sich eine Geschichststunde bei Günter Triebaumer. Das geht schneller und ist weniger trocken! Er selbst macht Wein aus dem Bauch heraus. Weil’s im Blut liegt. Günter Triebaumer hat keine Weinbauschule von innen gesehen. Es hat Landwirtschaft studiert. Und dann mit Direktheit losgelegt.Eine unterhaltsame Gratisstunde gibt es bei Cheers with me.


Sie besitzen Generationenwissen und Weinberge mit Seeblick. Ihr Terroir: Rust, die Stadt im Burgenland, die gleichermaßen Rot, Weiß und Süß ist. Jeder Weinberg steht unter besonderen Natureinfluss. Mal vom Boden, immer vom See – dem Neusiedlersee. „Die vielen Generationen, die hier Weinbau betrieben haben, bekamen auch ein Gespür, welche Rebsorte wo hingehört“, sagt Gerhard. Und so wachsen ihre Weißweine vornehmlich auf „glitzernden“ Böden – kristalline Urgestein-Verwitterungsböden aus Quarz, Gneiss und Schiefer.

Aber auch Rotwein ist hier einheimisch! Der Blaufränkisch mag die Lehm-Kalk-Böden um Rust. Die geben ihm in der Jugend die klare Aromatik von Kirsche, im Alter von Weichsel, also Sauerkirsche, ergänzend um eine kräuterig-würzige Note und schwarzem Pfeffer. Ihre Liebe zum Wein ist so tiefrot wie die Farbe des Blaufränkisch, der Rotweinsorte des Burgenlands. Die Großväter der heutigen Triebaumer-Generationen waren nach der Reblauskatastrophe Rebveredeler und haben mit viel Erfahrung die besten Blaufränkisch Pfropfreben herangezogen. Einen grünen Daumen hat Günter Triebaumer nach eigener Aussage nicht mehr, aber eine lockere Art hat er sich passend zu den lockerbeerigen Trauben herangezogen.


Rust – das Terroir der Triebaumers
Rund um Rust liegt eine Art Riedenarena mit Nähe und Blick zum Neusiedlersee. Die Triebaumers kennen sich dort von Grund auf aus: sie haben das Gespür für ihre Weingärten und kennen den besten Standort für jede Rebsorte, das haben sie über die Generationen gelernt.
Rust selbst hat 3.000 Jahre Weinbaugeschichte und hunderte von Jahren Tradition. Den Furmint etwa, eine ungarische Weißwein-Rebsorte, gibt es hier seit 500 Jahren mit dem Furmint. Denn bis 1921 war das Burgenland selbst ein Teil Ungarns. Neben Furmint ist der Ruster Ausbruch eine Einzigartigkeit. Die Seenähe gibt ihnen die Lizenz zum Töten lassen. Die Feuchtigkeit im Herbst verheißt eine Boytritis-„Garantie“.
Im Ruster Ausbruch stecken traditionell Furmint und Gelber Muskateller. Die edelsüße Legende bekommt so mindestens 45 g Restzucker pro Liter. In der Regel ist es aber eine Hundertschaft. So wie es auch hunderte von Handgriffen sind die besten rosinierten  Trauben auszubrechen, also herauszupicken.

Insgesamt ist das Burgenland in Österreich aber Blaufränkischland. Es gibt 3.000 ha in Österreich, 90% davon liegen im Burgenland. Das Bundesland lässt sich in 5 Weinbau-Regionen in Hinsicht auf die Bodenstruktur verifizieren. Im Zentrum der Neusiedlersee. Am Ostufer herrschen Sand- und Schotterböden vor. Eine eher frühreife Region. Am Westufer liegt das Leithagebirge mit Kalk- und Schieferböden. Rund um Rust gesellt sich eine Lehmauflage hinzu. „Der Lehm verzögert die Reife und verstärkt die Fruchtaromatik. Und gibt ganz umsonst noch eine schön intensive Farbe dazu“, betont Günter Triebaumer. Im Mittelburgenland wird der Lehmboden noch mächtiger, die Frucht wandelt sich von Kirsche zu Brombeere. Im Südburgenland wiederum kommt zum Lehm Basalt hinzu und die Aromatik wechselt erneut.
Der Blaufränkisch ist recht robust, mit Ausnahme von Spätfrost. Wenn es in der Phase der Blüte allerdings zu Verrieselung kommt sind sie nicht traurig, sondern sehen der Qualität gelassen entgegen. Bis dann im Herbst die Stare einfallen – ein Indiz für die Reife. Dann ist entschlossenes Handeln und Ernten gefragt. Dieser natürliche Treiber verhindert auch ein Zuviel – „Lieber Frucht statt Marmelade“, sagt Günter Triebaumer.  
Die Blaufränkisch-Selektionen der Großväter geben zwar einen geringeren Ertrag, die lockeren Beeren sind aber dickschalig und robust, so können sie unabhängig von Jahrgängen konstant gut die Ernte der Generationen einfahren. Das ist mit ein Grund warum österreichische Winzer auch außerhalb des Burgenlands den Blaufränkisch lieben. Auch in warmen Jahren kann man aus Blaufränkisch kühle Weine machen. Es ist die Sorte mit Zukunft. Und die hat auch international bereits mit viel Anerkennung begonnen. „Die einzige Sorte, die aus kühlen wie warmen Jahren wunderbare Weine entstehen lassen kann.“, sagt Günter Triebaumer stolz.


Günter und Regina Triebaumer bewirtschaften 8 ha Blaufränkisch verteilt auf 16 Parzellen. Hier picken sie seit 2009 besondere Einzelrieden heraus. Die Lage Oberer Wald, neben dem bereits erwähnten Mythos Marienthal vom Bruder.
Und im Süden die Lage Plachen: die einzige Riede mit Silikat- und Schieferverwitterung und viel Lehmauflage. Man ahnt es: daraus lässt sich was machen!

Es ist ein vielschichtiger Wein, der dunkelviolett im Glas schimmert. Mit leicht rauchiger Nase, Wacholder, Gewürze, und die besagte dunkle Kirsche. Ordentlich Grip und Länge. Die Rauchigkeit zieht sich durch, es entfaltet sich eine florale Note von Veilchen. Plachen ist kräftig, aber nicht fett, hat eine oppositionelle Säure und Kühle, die gut dagegenhält.

Regina und Günter Triebaumer vergären ihre Weine geschlossen im Edelstahl. Eine kurzzeitige Temperatur über 30 Grad gibt Farbe, die Säurestruktur und Schultern. Der Wein soll ja auch zum Selbstbewusstsein des Winzers passen. Anschließend geht’s ins Holz, wobei der Neuholzanteil sehr gering ist. Nur wenn es mal schnell gehen muss werden Reinzuchthefen benutzt, in guten Jahren mit Top-Material vergären sie spontan. In einer Online-Verkostung schließt Günter Triebaumer mit dem Versprechen ab: „Wir werden das Feuer unserer Blaufränkisch-Generationen am Leben halten.“


Der Funke Blaufränkisch darf gerne über die Grenzen des Burgenlands und Österreichs hinaus überspringen!

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