Lebendige Legende: Mythos Mosel. Eine Rieslingreise.

Zum 3. Mal präsentierten sich legendäre Lagen, pittoreske Orte, traditionelle Weingüter, renommierte und Newcomer-Winzer beim Mythos Mosel. In 9 Orten an der Mittelmosel öffneten 26 Weingüter gemeinsam mit jeweils 3–4 weiteren Gastweingütern ihre prachtvollen Tore. So potenzierte sich die Rieslingpower auf über 100 Weingüter, wobei jeder Winzer 5–6 ausgesuchte Weine im Kühler hatte. Eine große Herausforderung mit großen Gewächsen!

Der Fluss selbst zeigte sich bei unserer Ankunft eher ungestüm. Hochwasser. Über die Ufer getreten. Ein Zeichen? Die zahlreichen Campingplätze mit Vans und Wahnsinn standen jedoch noch. Wir landen im beschaulichen Enkirch. Kleiner Ort, ene Kirch. Und pro Einwohner mindestens ein Traktor. Den Ort haben wir rein aus strategischer Sicht gewählt. Nach Pünderich, dem Veranstaltungs-Endort in Richtung Nordost sind es zwei Stationen mit dem Moselwein-Busshuttle, Ürzig ist der vierte Ort in Richtung Südwesten (nach Traben-Trarbach, Kröv und Kinheim). Das der Bus in Enkirch auch noch direkt vor unserer Hotelhaustür hält ist ein glücklicher Zufall. Das Weingut Immich-Batterieberg liegt auch nur 20 Meter schräg gegenüber. Bestes Sommerwetter, hellgrün leuchtende Weinreben wohin das Auge schaut, duftende Rosen- und Orangenblüten, üppige Feigenbäume, mildes Klima, warmer Schiefer. Wir traben nach Trarbach und holen einen weiteren Moseljünger vom gefühlt kleinsten Bahnhof Deutschlands ab. Eingleisiger Kopfbahnhof. Die Moselweinbahn fährt ein. Ein Waggon.

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Gemütlich geht’s an den Steillagen mit ihren Monorackbahnen, dem Terrassenweinbergpendant zur Moselweinbahn, über die Brücke von Trarbach vorbei an Traben zurück nach Enkirch.
In eine geschmackvoll-gemütliche, mit Besen gekennzeichnete Straußwirtschaft. Sommerabend unter Weinlaub auf einer Terrasse am Brunnen. Hirschragout und Riesling von Caspari. Idylle. Genießen.

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Samstagmorgen. Gegen 10 Uhr sammeln sich die ersten Rieslingfreunde am Enkircher Manneken Traubenpis. Unsere digital erworbenen Tagestickets können wir noch nicht einlösen, die Mythos-Mosel-Mitarbeiter 2.0 fehlen noch. Busfahren geht trotzdem. Die erste Tour nach Pünderich noch überfüllt. Später fahren alle Busse angenehm besetzt und gut getaktet zu allen Orten. Eine sehr gelungene Organisation. Während sich englische und russische Hooligans in Frankreich kloppen, geht es bei unserer Veranstaltung friedlich zu. Auch wenn zu Beginn ein Gerangel vor den Verkostungsständen auf der Tagesordnung steht. Doch auch der Übermut einiger „Taster“ wird mit jedem Schluck Riesling besänftigt. Mosella – amoena fluenta. Die leiblichen Fluten, wie Magnus Ausonius die Mosel nennt, wirken.

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Die Riesling-Reise beginnt für uns direkt an der Mosel. Weiße „Festival“-Bänder machen uns zu Rieslingrockern. Allerdings ist Nosing und Schwenken statt Headbangen angesagt. Mit Blick auf die zu verkostende Lage Marienburg starten wir beim Weingut Clemens Busch. Ein märchenhaftes Haus. Die Weine von höchstem Niveau. Der Gastgeber selbst schenkt sympathisch ein. Ausgewogenheit im Einstiegsbereich. Naturgewalt bei den großen Gewächsen. Der 11er Marienburg Falkenlay ein großes Vergnügen!
Außerdem vor Ort und verkostet: Heymann-Löwenstein aus Winningen sowie S.A. Prüm aus Wehlen. Löwenstein ist in Schiefer gemeißelter, duftiger Paraderiesling. Prüm überrascht mit wirklich sehr alten Reben (über 120 Jahre) und einem 08er Kabinett von der Wehlener Sonnenuhr.

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Nächster Halt: Ürzig. Am Kröver Nacktarsch vorbei. Der Bus hält mit Blick auf die halbfertige, neue Moseltalbrücke. Im Weingut C.H. Berres ist auch Meierer zu Gast. Die 11er und 13er Weine hatten uns in Hamburg sehr begeistert. 2015 ist noch etwas verhalten. Die Party wird verschoben …

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Anlaufstelle Nummer 3: Traben-Trarbach. Ortsteil Traben. Wir statten dem Weingut Knebel im Weingut Vollenweider einen Besuch ab. Neben Röttgen, Uhlen und einem kostbaren Süßwein probieren wir auch das legendäre Piesporter Goldtröpfchen. Haart aber feinherb und herzlich.

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Vor der Reise nach Reil eine kurze Kaffeepause mit Moseltorte. Trester statt Traubensaft. Im Hof des Weinguts Steffens-Keß verkosten wir anschließend ganz angetan Weine von Walter aus Briedel. Würze statt Süße. Moselriesling mal anders. Auch ansprechend: ein mineralisch-kräuteriger Burgunder.

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Endstation Enkirch. Zum Abschluss zwei große Namen. Und auch große Weine. Immich-Batterieberg und Markus Molitor. Die Enkircher Kirch schlägt 18 Uhr. Der letzte Tropfen: eine 2005er Auslese bei Molitor. Ein würdiger Abgang!

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Sonntag. Nach dem Frühstück fahren wir nach Zell, um einen Geheimtipp zu besuchen. Das Weingut Mayer, mit „ay“. Eine Weinkarte, die Überraschungen bietet!
Um 11 Uhr gibt es zum Abschied am Brunnen der Zeller schwarzen Katz stilecht Blasmusik. Aber live und auch nüchtern betrachtet retrocharmant! Nicht so wie auf den Moselschiffen, wo die Polka dumpf aus den Lautsprechern poltert.

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Die anschließende Lektüre zum Reflektieren unseres Wochenendes „Die Moselreise“ von Hanns Josef Ortheil bestätigt: Touristisch ist die Zeit ist vielerorts stehengeblieben. Die Mosel und viele seiner Winzer sind zum Glück im Fluss. Und schaffen Bewegendes.

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Stillstand und Lebensfreude finden im Moseltal sichtbar auf engstem Raum statt. Es geht bergauf und bergab. Mit dem Mosel-Riesling eindeutig aufwärts!
Die Veranstaltung ist sehr gelungen. Eine so große Vielfalt an Winzern zu verbinden sicherlich eine Herausforderung. Großes Lob auch an die vielen freundlichen Moselmarathonstreckenhelfer an den Haltestellen.
Für alle trinkaktiven Teilnehmer dieses Wochenendes bot sich eine erlebnisreiche Gelegenheit die beeindruckende Natur zu erkunden. Zu sehen und zu schmecken.


Der Folgetermin fürs kommende Jahr steht bereits: 9.-11. Juni 2017. Mit einer neuen, alten Strecke: von Detzem über Piesport nach Minheim.
Mittendrin liegt Trittenheim, die Geburtsstadt von Stefan Andres. Bleibt also ein Jahr um sich mit seinem 1960 erschienenen Werk „Die großen Weine Deutschlands“ oder dem Roman „Der Knabe im Brunnen“ bei einem Glas Möselchen einzustimmen.

 

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