Liebe vergeht, Hektar besteht

Über einen Verkostungsabend im Zeichen der Liebe – mit den Winzerinnen Marion Ebner-Ebenauer und Katharina Wechsler.


Im Weinladen bekannten sich gestern gleich reihenweise Frauen ihrer Liebe zueinander. Und das hatte nichts damit zu tun, dass das Weintasting auf St. Pauli stattfand. Es lag an der gegenseitigen Bewunderung und der gewachsenen Freundschaft. Und auch alle Gäste verliebten sich mit jedem Weinflight. In einen ihrer Weine.


Stephanie Döring vom Weinladen, Katharina Wechsler aus Rheinhessen und Marion Ebner-Ebenauer aus dem Weinviertel schenkten im Vergnügungsviertel Liebe Flaschenweise aus. 15 Weine in mehreren Flights kamen in die Gläser. Zur Begrüßung gesellte sich Fräulein Hu an den Tisch und ins Glas. Anschließend lies sich deutsch-österreichische Freundschaft direkt miteinander vergleichen. Zunächst in Form zweier Rieslinge. Dabei musste sich der Weinviertler nicht hinter Rheinhessens Paradesorte verstecken.


Insgesamt bekamen die Ortsweine von Katharina Wechsler – von Scheurebe bis Silvaner – durch einen säurebetonten Abgang immer eine Klarheit und Schlankheit. Und Frische, na klar. Ob Duftsorte oder Geschmackswein – im Mund waren alle sehr vielschichtig, zum Teil verspielt, und wurden dann überraschend schlank, was ihre nachhaltige Leichtigkeit auszeichnete.


Beide Winzerinnen hatten im weiteren Flight einen Alte Reben Wein, Jahrgang 2017, im Gepäck. Das diese, zum Teil 70 Jahre alten Reben mit Ihren Wurzeln tief in den heimischen Böden verankert sind, schmeckte man sogar in Hamburger Hafennähe. Letztere brachte aber nicht die Salzigkeit in die Weine, auch dafür sind die Böden und Wurzeln zuständig. Beide Weingüter profitieren von vorangearbeiteten Generationen, deren Hinterlassenschaft auch alte Anlagen sind, über die man sich heute glücklich schätzt. Und die zum Glück auch nicht dem Trekker bzw. den wilden Fahrkünsten von Marion Ebner-Ebenauer zum Opfer gefallen sind.


In Katharina Wechslers Fall hatten die Eltern kein Weingut, wohl aber Weinberge, deren Erträge sie verkauften. Den mutigen Schritt daraus ein Weingut zu machen fasste sie nach ein paar Jahren Leben in Berlin.
Auch Marion Ebner-Ebenauer hatte selbst kein Weingut und auch keine Weinberge, dafür aber einen Traum und einen starken Willen: Winzerin zu werden. Diesen erfüllte sie sich bereits im jungen Alter von 14 Jahren!
Seit dem hat sie sich großen Respekt erarbeitet. Zunächst an den Weinschulen Österreichs ihre Winzerausbildung gemacht. Dann 2001 lehrbuchmäßig ihren ersten Jahrgang, dafür musste sie die Trauben noch einkauften, unter anderem aus dem Carnuntum.
Das gelernte musste sie allerdings ganz schnell wieder vergessen, um Weine mit Charakter machen zu können, die ihrer Charakterstärke gewachsen sind. Gemeinsam mit ihr drückte auch ihr heutiger Ehemann die Schulbank. Dieser hätte, was Liebesbeweise betrifft, sicherlich einiges von den Damen lernen können. Aber Manfred kümmert sich im Keller liebevoll seinen Trauben. Sie leben eine moderne Rollenverteilung. Marion ackert derweil lieber im Weingarten. Und wird schon von ihrer kleinen Tochter unterstützt. Hoffentlich bringt der Opa ihr Trekkerfarhen bei …


Mit ihrer sympathischen Hands-on-Mentalität machte sie gleich zu Beginn des Abends von sich hören. Wo ein zaghaftes Gläserklirren für die Begrüßungsrede im Feierabendtalk noch untergingt, verschaffte sie sich mit einem kernigen Pfeifen auf zwei Fingern sogleich die ganze Aufmerksamkeit.
Das Winzerehepaar Ebner-Ebenauer hat sich im Weinviertel standesgemäß dem Grünen Veltliner verschrieben. Beeindrucken aber auch mit einem ganz untypischen Rosé sowie ihrem Weißburgunder, der eine geschmeidige Cremigkeit besitzt und mit Honignoten überaus samtig-gefällig ist. Heuer feierten Sie 10 Jähriges gemeinsames Winzerleben. Und zeigten dabei mit ihrem ersten gemeinsamen Jahrgang 2008 welches Reifepotential mit Gerbstoff und Säure zu erreichen ist. Und nicht nur durch Zucker und Süße.


Mit Herzblut und Leidenschaft erzählen beide Winzerinnen im Verlauf der Verkostung sehr anschaulich und mit Esprit über die Arbeit im Weinberg, im Keller und im Vertrieb. Ein großes Thema auch die Zukunft. Wie reagieren Rebstöcke auf den Klimawandel, wie müssen Winzerinnen und Winter reagieren. Welche Rebsorten wachsen in Zukunft in welchen Lagen.


Katharina Wechsler besitzt drei Toplagen in Westhofen, darunter die rennomierte Einzellage Morstein, sowie das Kirchspiel und Ihre exklusive Lage Benn. Den Abschluss ihrer Weinpräsentation machte der Rosé namens Sexy MF. Ein Funky-Tropfen mit klarer Hommage an den Funk-Song von Prince. Dabei bezeichnet MF eigentlich den Traubenclon, was bei weitem aber nicht diese Klang hat.


Vom Weingut Ebner-Ebenauer gab es zwei Lagenveltliner zu verkosten, Hermanschachern und Bürsting. Gefolgt vom Rosé Rosa Kalk, der nicht nur mit seiner Farbe begeisterte. Die für Rosé kräftige Optik und Aromatik gibt dem Wein natürlich auch der Kalkboden, aber auch die Machart. Die sogenannte „Maceration Carbonique“ lässt ganze Trauben in sich gären, bis sie quasi zu einer Geschmacksexplosion ansetzen.
Das Finale machten zwei Weine der Black Edition unter sich aus. Ein Chardonnay und schlussendlich ein Spätburgunder. Den Sekt haben sie vorsichtshalber in Weinviertel gelassen. Sonst wäre es wohl schon zu Beginn des Abends um alle geschehen gewesen.


Aber auch so war der letzte Gast gefüllt duselig.
Und man hätte einstimmen können:
„Auf der Reeperbahn nachts um halb eins, ob du ’nen Hektar hast? Bist du auch meins …“

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